Tag Archives | Wissenschaftspolitik

Auf einmal fast alles gut im deutschen Wissenschaftsbetrieb? Eine Außenbetrachtung

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“Bitte nur reinschauen”: Oft steht die Tür für den wissenschaftlichen Nachwuchs bloß einen Spalt weit offen (Foto: Christof Mauersberger).

Allerlei Kritisches ist doch zu Lehre und Forschung an deutschen Universitäten berichtet worden. Schluss damit! – meint zumindest Alec Wodtke, Professor in Göttingen und wissenschaftlicher Direktor des dort ansässigen Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie. In seinem Lob auf die Forschungsbedingungen in Deutschland auf Spiegel Online identifiziert Wodtke im Vergleich zum US-amerikanischen System zwei Triebfedern des Erfolgs: „Kreativität“ statt „Kommerz“ und Betonung des Kollektivs statt des Einzelkämpfertums.

Sicherlich sind das grundsätzlich lobenswerte Attribute für Forschende. Wodtkes Lobeshymne übersieht jedoch strukturelle Faktoren in drei zentralen universitären Bereichen: Betreuung, Lehre und Arbeitsplatzsicherheit. In diesen schneidet Deutschland meiner Erfahrung nach schlechter ab als zum Beispiel die stärker kommerzialisierte britische Universitätslandschaft.

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Die Aufgabe der Wissenschaft

von Wolfgang Wodarg*

Ein Geldschein ist nicht mehr als ein buntes Stück Papier, sobald wir das Vertrauen in seinen Wert verloren haben. Auch eine Doktorarbeit ist nichts mehr wert, wenn sie nicht von der aufrichtigen wissenschaftlichen Suche nach neuen Wahrheiten zeugt. Wie das Geld, so ist auch der überwiegende Teil unseres Wissens Vertrauenssache.

Geld und Wissen haben somit etwas gemeinsam. Beide sind gesellschaftliche Medien, die unseren Alltag leichter machen können. Das Geld bringt zeitliche und örtliche Unabhängigkeit für unsere Geschäfte und Transaktionen und verrät uns durch den Preis einer Ware oder Dienstleistung etwas über deren Verfügbarkeit am Markt. Der jeweilige Stand der Wissenschaft hilft uns bei komplexen Problemen Entscheidungen zu treffen. Voraussetzung hierfür ist, dass das primäre Interesse der Wissenschaftler – die Wahrheitssuche, die Pflege des Mediums Wissen – nicht durch sekundäre Interessen wie das Streben nach Gewinn, Karriere, Einfluss oder sonstigen persönliche Vorteilen korrumpiert oder wesentlich beeinträchtigt wird. Continue Reading →

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