Unwissend auf einem Himmelfahrtskommando?

Auch im Jahre 2011 bleiben die Arbeitsbedingungen und Zukunftschancen des akademischen Nachwuchses ein zurecht viel diskutiertes Thema. Das Interview, das Caspar Hirschi jüngst dem Online-Medium derStandard.at gab (Ausgabe vom 11.02.2011), und sein vorangegangener Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung (Ausgabe vom 07.02.2011) unterstreichen die Bedeutung all jener Themen, die wir im Rahmen des FU-Mittelbau angeschnitten oder bereits näher besprochen haben.

Drei zentrale Themenblöcke spricht Hirschi dabei an: Continue Reading →

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Nachtreffen zum Gespräch mit Präsident und Kanzler

Präsident Alt und Kanzler LangeAm 13. Januar fand unser Gespräch mit Präsident Alt und Kanzler Lange statt (Einladung und Kurznachlese). Die dort von uns vorgestellten inhaltlichen  Forderungen und die dahinter stehenden Positionen wurden von den geladenen Gästen kontrovers diskutiert – gleichzeitig wurde weitere Gesprächsbereitschaft signalisiert. Wir möchten nun gemeinsam besprechen, wie wir einzelne Punkte (z.B. über die Gremien) umsetzen können und wie wir weiter mit dem Präsidium im Gespräch bleiben. Das dafür angesetzte Treffen ist nun um eine Woche verschoben.

Zeit: Donnerstag, 17. Januar 2011, 18 Uhr c.t.
Ort: Raum L116 im neuen Seminarzentrum der Silberlaube (Habelschwerter Allee 45, Ecke Otto-von-Simson-Straße)

Foto: Präsident Alt und Kanzler Lange (Copyright: Cora-Mae Gregorschewski)
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GRÜNE fordern “Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs”

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/die Grünen fordert in einem Antrag einen “Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs und zukunftsfähige Personalstrukturen an den Hochschulen”. Auch die Linke hat einen eigenen Antrag zum Thema eingebracht. Beide Anträge werden heute in der 84. Sitzung des Deutschen Bundestags (Punkt 16 der Tagesordnung) verhandelt. In dem Antrag der Grünen heisst es bereits im ersten Absatz (!!!) :

Das deutsche Hochschulsystem bietet dem wissenschaftlichen Nachwuchs keine verlässlichen Perspektiven. Befristete Beschäftigungsverhältnisse für hauptberufliche Wissenschaftler/-innen sind inzwischen der Regelfall an den deutschen Hochschulen. Teilzeit trotz Vollzeitaufgaben, nebenberufliche und prekäre Beschäftigungsverhältnisse breiten sich immer weiter aus. Die Karrierewege bleiben oft bis ins fünfte Lebensjahrzehnt unberechenbar. Die Ungewissheit wiegt um so schwerer, als sie in Altersgruppen reicht, in denen sich die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie besonders drängend stellt.

Daraus ziehen die Grünen den Schluss:

Die Personalstrukturen an den Hochschulen gefährden damit die Qualität und die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationssystems, das auf die Ausbildungsleistung der Hochschulen und hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs angewiesen ist.

Die Analyse der Probleme wie auch die Lösungsvorschläge der Grünen für das deutsche Wissenschaftssystem ähneln der Analyse, die wir als FU-Mittelbau für unsere Universität angestellt haben.

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Kurznachlese des Gesprächs mit Präsident Alt und Kanzler Lange

Es ist der AG FU-Mittelbau gelungen, die Hochschulleitung zu einem Dialog zu bringen! Letzten Donnerstag haben ca. 60 Kolleginnen und Kollegen eine interessante und kontroverse Diskussion mit Präsident Alt und Kanzler Lange erlebt. Damit wurde ein deutliches Signal gesetzt: Der Mittelbau ist keine unkritische Masse, die sich gerne als hochmotivierte, billige Arbeitskraft ausbeuten lässt. Continue Reading →

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Kongress in Berlin: “Gute Forschung und Lehre – gute Arbeit: Zwei Seiten einer Medaille”

Mit dem Templiner Manifest hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im vergangenen Jahr die Diskussion um die Situation von WissenschaftlerInnen neu aufgemischt. Jetzt findet am 21. Januar in Berlin der  Kongress “Gute Forschung und Lehre – gute Arbeit: Zwei Seiten einer Medaille” statt.

Besonders interessant dürfte die Expertise über den Personalbedarf an deutschen Hochschulen bis 2020 sein, die Dr. Silke Gülker vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) präsentieren wird. Für die Diskussionsrunde mit PolitikerInnen haben bisher die Bundestagsabgeordneten Dr. Stefan Kaufmann (CDU), Dr. Ernst-Dieter Rossmann (SPD), Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) und Krista Sager (Bündnis 90/Die Grünen) zugesagt. Hier findet man das Programm und weitere Informationen zur Anmeldung. Anmeldungen sind nur noch bis zum 17. Januar möglich!

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Exklusivgespräch mit Präsident und Kanzler

Präsident Alt und auch Kanzler Lange werden gemeinsam mit uns diskutieren! Der Gesprächstermin geht auf einen Brief der AG FU-Mittelbau zurück, in dem wir die Situation des Mittelbaus thematisierten und der von ca. 280 Kolleginnen und Kollegen unterschrieben wurde.

Zeit: Donnerstag, 13. Januar 2011, 18 Uhr c.t.
Ort: Raum L116 im neuen Seminarzentrum der Silberlaube (Habelschwerter Allee 45, Ecke Otto-von-Simson-Straße)

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Wahlen zum Akademischen Senat – “linke Dominanz” oder doch eher Hochschulpolitik?

Am 11. und 12. Januar finden die Wahlen zu den zentralen und dezentralen Gremien der FU statt. Zu ersteren zählt der Akademische Senat (AS), quasi der “Bundestag” der FU. Für den Mittelbau treten wir diesmal erneut als GEW-Mittelbauinitiative-ver.di an. Wir sind eine gewerkschaftlich geprägte aber unabhängige Liste und haben schon in den vergangenen Legislaturperioden inhaltlich und konstruktiv Hochschulpolitik mitgestaltet. Am Freitag berichtete der Tagesspiegel über die ungewöhnlichen Gremienwahlen in diesem Jahr und über Befürchtungen der größten professoralen Gruppe “Vereinte Mitte” vor einer “linken Dominanz”.

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FU-Gremien und Organisationsstruktur interaktiv

Rechtzeitig vor den Wahlen zu den universitären Gremien der FU sind in dieser Animation die wichtigsten Gremien der FU und die grundsätzliche Organisationsstruktur der Uni dargestellt. Wer also wissen möchte, welche Stellung der Akademische Senat im Gremiengefüge hat, wie Fachbereiche aufgebaut sind oder welche Kompetenzen ein Institutsrat hat, findet hier erste Antworten.

Ein Hinweis zur Nutzung: Zuerst auf “Play” klicken. Dann kann man entweder dem Präsentationsverlauf mit den Vor- und Zurück-Tasten folgen oder selbst einzelne Elemente anklicken, um hineinzuzoomen. Über das runde Rad (Taste rechts neben “Vorwärts”) gelangt man stets zur Gesamtübersicht. Der Vollbildmodus wird empfohlen (über “More” und “Fullscreen”)! Viel Spaß!

Alle Angaben sind ohne Gewähr. Im Interesse der Einfachheit sind hier nur Beispielkompetenzen aufgezählt.

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Dr. Überflüssig?

Das Wochenmagazin The Economist bescheinigt vielen DoktorandInnen in einem aktuellen Artikel, dass Sie auf dem Arbeitsmarkt überflüssig seien und häufig ihre Zeit verschwenden würden. Warum?

Während der durchschnittliche Gehaltsunterschied zwischen BA- und MA- AbsolventInnen noch 23% betrage, seien es zwischen Menschen mit MA-Abschluss und Dr. nur noch 3 %. Das Magazin konstatiert zudem, dass seit den 1970er Jahren immer mehr DoktorandInnen “produziert” würden, für die es – gerade auf dem akademischen Arbeitsmarkt – keine Nachfrage gebe. Da ein Hauptteil der Forschung heutzutage durch DoktorandInnen geleistet werde, würden Universitäten DoktorandInnen und Postdocs als hoch motivierte, billige und leicht zu entlassende Arbeitskräfte (be)nutzen, um mehr und billiger zu forschen:

… universities have discovered that PhD students are cheap, highly motivated and disposable labour. With more PhD students they can do more research, and in some countries more teaching, with less money.

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FU-Mittelbau goes Web 2.0

Nun ist es vollbracht: Ein Blog für FU-Mittelbau! FU-Mittelbau gibt es seit Ende 2009. Wir sind ein Zusammenschluss aus einem breit verstandenen Mittelbau: DoktorandInnen mit oder ohne Stipendium, Wissenschaftliche Mitarbeiter an Lehrgebieten oder in Drittmittelprojekten, Lehrbeauftragte, PrivatdozentInnen, Angestellte im Wissenschaftsmanagement usw. Wir wollen helfen, diese heterogene und zunehmend von der Prekarisierung betroffene Gruppe zu organisieren, Kommunikation zu ermöglichen und uns für Verbesserungen einzusetzen.

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Aktuelle Stunde im Bundestag

Am 2. Dezember fand im Bundestag eine Aktuelle Stunde zum Thema “fehlende Aktivitäten der Bundesregierung hinsichtlich der Zukunftsängste des wissenschaftlichen Nachwuchses”, initiiert von der SPD-Fraktion. Abgesehen von dem üblichen Politik-Spiel (Opposition kritisiert, Regierung verteidigt und redet schön) wurden viele wichtige Kritikpunkte angesprochen. 90% aller “wissenschaftlichen Stellen an den Hochschulen in Deutschland seien befristet”, es fehle an Zukunftsperspektiven für junge Wissenschaftler, unbezahlte Lehrkräfte dürfe es nicht geben…

Danke an Anne Helbig für den Hinweis!

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Uni-Sklaven, vereinigt euch!

… so titelt Die Zeit in der Ausgabe vom 25.03.2010. Es geht um die Privatdozenten, die von den deutschen Unis zu tausenden in prekären Verhältnissen gehalten werden. Hochqualifiziert, sind sie die “neuen Sklaven” der Unis, die sich in der (fernen) Hoffnung auf eine Professur mangels Alternativen ausbeuten lassen.

Das Problem ist bekannt und hat sich in den letzten Jahren verschärft: Wer dauerhaft und unbefristet an der Uni beschäftigt sein möchte, kann nur auf eine Professur hoffen. Unbefristete Stellen sind extrem selten geworden und werden kaum noch neu besetzt. Der Weg zur Professur ist aber lang und unsicher. “Einem »Alles oder nichts«-Prinzip folgend, werden dabei gnadenlos alle jene Wissenschaftler ausgebeutet, die nicht als Sieger durchs Ziel gehen – sprich eine Professur erhalten.”

So bleibt festzuhalten: “Uni-Sklaven, vereinigt euch!” Ein lesenswerter Artikel!

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Lehrbeauftragte: Gut gelehrt – nichts verdient

In einem Artikel des Berliner Tagesspiegel vom 04.02. wird die Situation einer promovierten Historikerin dargestellt, die als Lehrbeauftragte Sprachen an der HU, FU und Uni Potsdam unterrichtet. Die Entlohnung von Lehrbeauftragten ist eher lächerlich: etwa 23€ pro gelehrter Stunde, inklusive sämtlicher Vor- und Nachbereitung. Eine soziale Absicherung gibt es genauso wenig wie eine dauerhafte Perspektiven.

Ursprünglich waren Lehrbeauftragte als temporäre sinnvolle Ergänzung zum Lehrangebot der angestellten Dozierenden gedacht. Finanziell abgesicherte, im Berufsleben stehende sollten ihre Erfahrungen in die Universitäten tragen. Mittlerweile hat sich die Situation aber gedreht: In vielen Studienfächern könnte das Lehrangebot gar nicht mehr ohne Lehrbeauftragte abgedeckt werden. Am OSI (Politikwissenschaft) werden etwa 70 Lehraufträge pro Semester vergeben, davon ca. 5 bezahlte. Der überwältigende Rest lehrt unbezahlt – und dass, obwohl längst nicht alle ein gesichertes Einkommen haben. Es handelt sich mittlerweile eher selten um den seit 30 Jahren berufstätigen Diplomaten, der aus Interesse mal ein Seminar anbietet, sondern eher um engagierte Promovierende oder Promovierte, die sich im Extremfall über Hartz IV finanzieren.

Zudem lehren viele Lehrbeauftragte durchgängig über mehrere Semester und Jahre, aber es wird immer noch so getan, als ob sie nur Gast an der Uni sind: Ohne Kopierkarte, kein Büro für Sprechstunden, keine Einladungen zu Institutsveranstaltungen, keine Vertretung in Gremien…

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