Neues aus den Gremien: Sitzung des Akademischen Senats am 13.04.2011

Am Mittwoch den 13.04. hat der Akademische Senat (AS) zum ersten Mal in der neuen Besetzung getagt. Zum Hintergrund: Die Wahlen im Januar 2011 hatten zu Verschiebungen in den Mehrheitsverhältnissen geführt, die bisher sichere Mitte-Konservativ-Mehrheit gibt es im Ergebnis nicht mehr. Der AS ist das höchste Gremium der akademischen Selbstverwaltung (vgl. Institutionenschema) und entscheidet u.a. über grundsätzliche Fragen von Forschung, Lehre und universitärer Ausrichtung. Wir von der Liste des akademischen Mittelbaus (GEW-Mittelbauinitiative-ver.di) werden an dieser Stelle künftig über die monatlich stattfindenden Sitzungen berichten.

Kontroverse Tagesordnung

Zunächst wurde die Tagesordnung ausführlich und teilweise kontrovers diskutiert, was u.a. auf unterschiedlichen Einschätzungen über die Kompetenzen des AS beruhte. In der vom Präsidium vorgeschlagenen Version fehlten einige Punkte, obwohl sie vorher von AS-Mitgliedern eingereicht worden waren. Dazu gehörte der Vorschlag, den Erlass einer Grundordnung der FU vorzubereiten sowie der Antrag, sich an einer Studie zu geschlechtsspezifischer Gewalt und Belästigung zu beteiligen. Bei diesen Punkten verneinte das Präsidium zunächst die Zuständigkeit des AS, nahm sie jedoch letztlich in die Tagesordnung auf.
Inhaltlich besprochen wurden aus Zeitgründen letztlich nur die Bewerbung der FU in der Exzellenz-Initiative, die  Akkreditierung von Studiengängen sowie der Entzug einer Ehrenmedaille für den Scheich von Dubai, Al Maktoum.

Transparenz beim Exzellenz-Antrag

Zur Exzellenz-Initiative stellten die Vertreter_innen des wissenschaftlichen Mittelbaus (GEW-Mittelbauinitiative-verdi) und andere den Antrag, dass das Präsidium den AS umfassend über den bisherigen Stand der Bewerbung informiert. Dies sollte eine inhaltliche Einflussnahme des AS auf die Bewerbung ermöglichen, was in der vorherigen Exzellenz-Runde nicht geschehen ist. Der Präsident Prof. Alt sicherte zu, in der nächsten Sitzung über die Arbeiten an der Bewerbung zu berichten und den AS-Mitgliedern Exemplare der Bewerbungsunterlagen zur Verfügung zu stellen. Letzteres soll vertraulich geschehen, außer den AS-Mitgliedern darf also niemand Kenntnis vom genauen Inhalt der Bewerbung erlangen. Nach dieser Zusage des Präsidenten wurde der Antrag durchgewunken.

Der mögliche Ausstieg aus der Systemakkreditierung

Der Dienstagskreis, die linke Professorenliste, brachte eine Beschlussvorlage ein, in der gefordert wurde, alle Vorbereitungen für das Verfahren der Systemakkreditierung auszusetzen. Stattdessen solle grundlegend über Möglichkeiten nachgedacht werden, ein Qualitätsmanagement unter Einbeziehung der demokratischen Gremien – insbesondere des AS – zu schaffen. Dieser Antrag wurde intensiv und sehr kontrovers diskutiert. Eine Entscheidung wurde letztlich auf die nächste Sitzung verschoben, um nähere Informationen über die Folgen einer Aussetzung einholen zu können. Das Präsidium ist der Ansicht, daß die FU zur Akkreditierung verpflichtet ist und die Systemakkreditierung auf Dauer günstiger ist als die Programmakkreditierung vieler einzelner Studiengänge. Die Gegner befürchten großen bürokratischen Aufwand, der allein die Studiensituation noch längst nicht verbessert.

Dem Scheich von Dubai wird die Ehrenmedaille entzogen

Letzter Punkt war der Antrag von Prof. Rojas (Liste Exzellenz und Transparenz, neu im AS vertreten), Mohammed bin Rashid Al Maktoum, dem Premierminister der Vereinigeten Arabischen Emirate und Scheich von Dubai, die Ehrenmedaille zu entziehen. Sie wurde ihm 2008 von der FU verliehen. Al Maktoum wird u.a. vorgeworfen, an der massenhaften Verschleppung von pakistanischen Kindern beteiligt gewesen zu sein und diese als Jockeys in Pferderennen eignesetz zu haben. Auch dieser Vorschlag wurde kontrovers diskutiert, vor allem angesichts der teilweise ungeklärten Sachverhalte. Trotz Bedenken, auf dieser Informationsgrundlage zu entscheiden, fand die Abstimmung statt – vielleicht hatten die Beteiligten das Bedürfnis, nach 3,5 Stunden Sitzungszeit zumindest die Hälfte der Tagesordnungspunkte abgehandelt zu haben? – und führte zu einer mehrheitlichen Zustimmung.

Auf die nächste Sitzung mussten u.a. die bereits angesprochenen Fragen – Systemakkreditierung, Erlass einer Grundordnung und Beteiligung an einer Studie zu geschlechtsspezifischer Gewalt – verschoben werden sowie eine Reihe weiterer Themen. Es zeigte sich, dass wenn der AS seine Funktion als deliberatives Gremium wahrnimmt und ausführlich diskutiert, dies überraschenderweise viel Zeit kostet. Abzuwarten bleibt, wie sich dies in Zukunft gestaltet, und wie sich das Präsidium als ausführendes, auf Output orientiertes Organ dazu verhält.

Die nächste Sitzung findet am 18. Mai von 15 bis mind. 18 Uhr im Sitzungssaal im Henry-Ford-Bau statt. Die Sitzungen sind öffentlich, bei einzelnen Punkten kann die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden.

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3 Responses to Neues aus den Gremien: Sitzung des Akademischen Senats am 13.04.2011

  1. Linda Guzzetti 17.04.2011. at 20:00 #

    Ich freue mich, dass die Liste des akademischen Mittelbaus ihre Arbeit im AK aufgenommen hat.
    Ich habe mit Interesse den Bericht über die Sitzung am 13.04.
    Es wundert mich nicht, dass sie ewig lange war und kaum etwas beschlossen wurde 🙁

    Wie Ulrike schreibt “wenn der AS seine Funktion als deliberatives Gremium wahrnimmt”, dauert es sehr lange.

    Aber in meiner Sicht ist dies eine wichtige Neuigkeit an der FU: In den letzten Jahren ist die FU eine präsidiale Uni geworden.
    Immer mehr beraten die Gremien anstatt zu entscheiden.
    Das zu ändern ist keine leichte Aufgabe, aber vielleicht zeigt sich eine Trendwende,

    danke für diesen und die weiteren Berichte,
    Linda

  2. Niklaas Hofmann 18.04.2011. at 15:51 #

    Auch der “Tagesspiegel” hat einen Artikel zu der vergangenen AS Sitzung veröffentlicht,

    http://www.tagesspiegel.de/wissen/muskeln-zeigen/4070822.html

  3. Christof Mauersberger 08.05.2011. at 14:18 #

    Aus das studentische Magazin Furios berichtet über die Sitzung des neuen AS.

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