Archive | March, 2010

Lehrbeauftragte: Gut gelehrt – nichts verdient

In einem Artikel des Berliner Tagesspiegel vom 04.02. wird die Situation einer promovierten Historikerin dargestellt, die als Lehrbeauftragte Sprachen an der HU, FU und Uni Potsdam unterrichtet. Die Entlohnung von Lehrbeauftragten ist eher lächerlich: etwa 23€ pro gelehrter Stunde, inklusive sämtlicher Vor- und Nachbereitung. Eine soziale Absicherung gibt es genauso wenig wie eine dauerhafte Perspektiven.

Ursprünglich waren Lehrbeauftragte als temporäre sinnvolle Ergänzung zum Lehrangebot der angestellten Dozierenden gedacht. Finanziell abgesicherte, im Berufsleben stehende sollten ihre Erfahrungen in die Universitäten tragen. Mittlerweile hat sich die Situation aber gedreht: In vielen Studienfächern könnte das Lehrangebot gar nicht mehr ohne Lehrbeauftragte abgedeckt werden. Am OSI (Politikwissenschaft) werden etwa 70 Lehraufträge pro Semester vergeben, davon ca. 5 bezahlte. Der überwältigende Rest lehrt unbezahlt – und dass, obwohl längst nicht alle ein gesichertes Einkommen haben. Es handelt sich mittlerweile eher selten um den seit 30 Jahren berufstätigen Diplomaten, der aus Interesse mal ein Seminar anbietet, sondern eher um engagierte Promovierende oder Promovierte, die sich im Extremfall über Hartz IV finanzieren.

Zudem lehren viele Lehrbeauftragte durchgängig über mehrere Semester und Jahre, aber es wird immer noch so getan, als ob sie nur Gast an der Uni sind: Ohne Kopierkarte, kein Büro für Sprechstunden, keine Einladungen zu Institutsveranstaltungen, keine Vertretung in Gremien…

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